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Gottesdienste 2020
                                                                            
                                    

Aufbruch erwünscht oder noch niemals in New York
An(ge)dacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis 2020 (28. Juni 2020)
von Pfarrer Thomas Vogt, Adventskirche Niedervellmar

Es waren am Ende nur wenige Kartons, die allesamt in einen einzigen Sprinter passten. 300 Kilometer nordöstlich lag das Ziel: Göttingen sollte für die nächsten Semester mein neues Zuhause werden. Ich schaue noch einmal in die leergeräumten Regale meines (Jugend)Zimmers, atme tief durch und spüre eine ungeheuerliche Erleichterung in mir aufsteigen. Endlich aufbrechen, ins Unbekannte einer fremden Stadt und Universität: Freiheit genießen, ohne feste Essenszeiten zu Hause, ohne Kontrolle und Gemecker.
Dieser Aufbruch konnte allerdings nur gelingen, weil die väterliche Zahlung von 500 DM verlässlich war. Davon mussten Miete und der tägliche Lebensunterhalt irgendwie bestritten werden. Darüber war ich froh und zugleich verpflichtet, dass das Studium vorranging. Ein gutes und zugleich ungutes Gefühl, das mir im Nacken saß. Doch die Freiheit lockte so sehr, dass es kein Abwägen gab. So war ich auf und davon.
Ich bin gerne aufgebrochen in meinem Leben. Nach Göttingen, später nach München, ins kleinstädtische Schwalmstadt, ins dörfliche Ottrau hinter den Hecken der Schwalm, nach Verona und bin schließlich in Niedervellmar glücklich angekommen. Vielleicht gehören Sie ja auch zu den Menschen, denen es ähnlich geht? Die geradezu versessen sind auf das Neue und Unbekannte. Fernweh nennen es manche, Flucht andere oder einfach Entdeckerfreude, Unternehmungslust und Neugier.
Der heutige 3. Sonntag nach Trinitatis kreist um eine der bekanntesten und anrührendsten Geschichten der Bibel. Es ist das Evangelium vom „verlorenen Sohn“. „Gib mir mein Erbteil, das mir zusteht“, sagt der Sohn zu seinem Vater und schon ist er auf und davon. Und entdeckt das pralle Leben in seinen unterschiedlichen Facetten. Entdeckt aber auch, wie schwer der Neuanfang ist.
Da lässt Udo Jürgens grüßen, dessen Protagonist nur mal schnell Zigaretten holen wollte und einfach die große Reise antritt. Die Bibel ist voll von Aufbruchsgeschichten. Facettenreich und bunt, der Sehnsucht folgend oder einfach auf der Flucht sind die Großen der Bibel.
Das Schöne und Ermutigende ist, dass die Moral all der biblischen Geschichten das Scheitern gestattet. Manchmal ist es sogar erwünscht, um sich selbst und Gott endlich wieder spüren zu können nach all dem Eingefahrenen, um demütiger und einfühlsamer zu werden.
Letztlich wollen all diese Geschichten nur eines lehren, dass Veränderungen zu unserem Leben gehören und uns immer ein Stück näher bringen zum Ursprung aller Empfindungen, zurück zu dem, was wirklich zählt. Und davon können auch alle Daheimgebliebenen ihr Lied singen, die die Kontingenz des Lebens erfahren.
Am Ende, wann auch immer wir zurückkehren, steht da ein liebender Vater, der uns entgegenläuft, umarmt und küsst und uns sagst: Wie schön, dass du wieder da bist. Und wir begreifen vielleicht erst dann etwas von dieser Liebe jener Urkraft Gottes, die niemals verlöscht.

Jeden Sonntag und zu den kommenden Festtagen können Gläubige ab 9 Uhr  eine Video-Andacht sehen, über alle Onlinekanäle der Evangelischen  Kirche von Kurhessen-Waldeck
Internetseite www.ekkw.de

hörBar
     FÜR DIE SEELE
Andacht am Telefon 0561-22073690

FAVorite Evangelisch in Fuldatal - Ahnatal - Vellmar

Wochenspruch
Judika, 29.03.2020
Der Men­schen­sohn ist nicht ge­kom­men, dass er sich die­nen las­se, son­dern dass er die­ne und gebe sein Le­ben als Lö­se­geld für vie­le.  
Mt. 20,28
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